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Dienstag, 07.09.2010, 01:43
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Gott kommt Drucken E-Mail

 

gemailt von Cosima

Jetzt kann Gott kommen

Ein Mann erfuhr, dass Gott zu ihm kommen wollte. „Zu mir?“ schrie er. „In mein Haus?“ Er rannte durch alle Zimmer, er lief die Stiegen auf und ab, er kletterte zum Dachboden hinauf, er stieg in den Keller hinunter. Er sah sein Haus mit anderen Augen. „Unmöglich!“ schrie er. „In diesem Sauhaufen kann man keinen Besuch empfangen. Alles verdreckt. Alles voller Gerümpel. Kein Platz zum Ausruhen. Keine Luft zum Atmen.“ Er riss Fenster und Türen auf. „Brüder! Freunde!“ rief er. „Helft mir aufräumen – irgendeiner! Aber schnell!“ Er begann, sein Haus zu kehren. Durch dicke Staubwolken sah er, dass ihm einer zur Hilfe gekommen war. Sie schleppten das Gerümpel vors Haus, schlugen es klein und verbrannten es. Sie schrubbten Stiegen und Böden. Sie brauchten viele Kübel Wasser, um die Fenster zu putzen. Und immer noch klebte der Dreck an allen Ecken und Enden. „Das schaffen wir nie!“ schnaufte der Mann. „Das schaffen wir!“ sagte der andere. Sie plagten sich den ganzen Tag. Als es Abend geworden war, gingen sie in die Küche und deckten den Tisch. „So“, sagte der Mann, „jetzt kann er kommen, mein Besuch! Jetzt kann Gott kommen. Wo er nur bleibt?“ „Aber ich bin ja da!“ sagte der andere und setzte sich an den Tisch. „Komm und iss mit mir!“

(Lene Mayer-Skumanz)

 


 

Mittagessen mit Gott

Ein kleiner Junge wollte Gott besuchen. Natürlich wusste er, dass der Weg weit war, dorthin, wo Gott wohnt, also packte er eine Tüte Chips und ein Sixpack Cola in seinen Rucksack und lief los.
Nach drei Blocks war er müde und hungrig, und als er im Park eine alte Frau, die auf einer Bank saß und die Tauben betrachtete, sah, setzte er sich dazu und öffnete seinen Rucksack. Er fand, die Frau sähe hungrig aus, also teilte er die Chips mit ihr. Sie aß mit ihm und lächelte ihn an.
Ihr Lächeln war so schön, dass der Junge es noch einmal sehen wollte, also gab er ihr eine Cola. Da lächelte die Frau wieder, und weil das so schön war, saßen sie den ganzen Nachmittag auf der Bank, aßen Chips und tranken Cola, lächelten sich an, sagten aber kein Wort.
Als es Abend wurde, merkte der Junge, wie müde er war, stand auf und wollte nach Hause gehen, aber nach ein paar Schritten drehte er um, rannte auf die Frau zu und umarmte sie, und sie ihn, und sie lächelte noch mehr als bisher.
Als der Junge nach Hause kam, wunderte sich die Mutter, warum er so froh aussah, und fragte ihn. „Ich hab Chips mit Gott gegessen. Und Cola getrunken.“ Und bevor die Muter etwas sagen konnte, fügte er noch hinzu: „Und weißt Du was? Sie hat das schönste Lächeln, das ich je gesehen habe!“
Zur selben Zeit kam die alte Frau Heim, und ihr Gesicht strahlte so sehr, dass ihr Sohn beinahe sprachlos war, aber trotzdem fragte, warum sie so glücklich sei. „Ich war im Park, und habe mit Gott Chips gegessen und Cola getrunken.“ Und bevor der Sohn etwas sagen konnte, fügte sie noch dazu: „Aber weißt Du, er ist sehr viel jünger als ich gedacht hatte!“

 
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